2 Minuten 2 Millionen – Wurmkiste, mooci, Pixelrunner, pluvis und Andmetics

Rückblick auf die zweite Folge der vierten Staffel von 2 Minuten 2 Millionen.

Wurmkiste.at — Abfallkisten und Mülltonnen für Wurmkompostierung

Das Startup Wurmkiste.at (sprechender Name gut für SEO-Optimierung) produziert Abfallkisten und Mülltonnen zur Wurmkompostierung und stellt währen der Show zwei Produkt vor.

Hungry Bin für B2B/draußen, Wurmhocker für die Verwendung im Haus

Die Mülltonne Hungry Bin ist für draußen oder den B2B-Bereich gedacht und kostet zwischen 265 und 399 Euro ohne Würmer.

Die Abfallkiste Wurmhocker gibt es in zwei Varianten. Die fertig zusammengebaute Version kostet zwischen 265 und 285 Euro, die Selbstbau-Variante zwischen 170 und 209 Euro. Beide Preise sind exklusive der Würmer. Der Wurmhocker ist für die Verwendung im Haus gedacht und bietet neben der Kompostierfunktion auch eine Sitzmöglichkeit.

Leo Hillinger hat in die Wurmkiste investiert, was ich aber nicht verstehe da die Wurmkiste leicht kopierbar ist und zu viel Geld und Aufwand verlangt. Zusätzlich habe ich die Vermutung, dass die Marktsituation falsch eingeschätzt wurde.

Die Wurmkiste ist leicht kopierbar und verlangt zu viel Geld und Aufwand

Die günstigeren kommerziellenstattlichen und selbstbaubaren Alternativen (siehe unten) zeigen neben der leichten Kopierbarkeit auch den hohen Preis der Wurmkiste. Der hohe Preis ist insbesondere problematisch, weil kein Differenzierungsmerkmal der Wurmkiste zur Konkurrenz vorhanden ist.

  • Günstigere kommerzielle Angebote: Auf Wurmwelten kann man eine Wurmkiste und 1000 Kompostwürmer für ca. 180 Euro erwerben und kostet dadurch etwa 100 Euro weniger als die Wurmkiste.
  • Staatliche Angebote günstiger und leichter bedienbar: Abseits der kommerziellen Alternativen stellt z. B. die Stadt Wien eine normale Biotonne teilweise kostenlos zur Verfügung. Neben dem Preis ist auch der Aufwand eine wichtige Unterscheidung zur von der Stadt zur Verfügung gestellten Biotonne. Bei letzterer ist sowohl die Einrichtung als auch Entsorgung deutlich einfacher (Beides durch die Stadt). Um den durch den Wurmhumusverkauf entstandenen Erlös als Argument gelten zu lassen (der durch die Wurmkompostierung entstandene Wurmhumus ist verkaufbar), müsste der Erlös den Verkaufsaufwand (Verkaufsprozess schafft Pain) und die Differenz zum Anschaffungspreis der normalen Tonne (falls dieser überhaupt anfällt) kompensieren.
  • Günstigere selbstgebaute Angebote: Der Zusammenbau scheint kein Problem darzustellen. Als Differenzierungsmerkmal zum Eigenbau nennt der Gründer unter anderem Support und die Gewissheit, ein funktionierendes Produkt zu besitzen. Auf Grund der mangelnden Produktomplexität sind diese Argumente aber nur bedingt relevant.

Speziell in Bezug auf Preis und Aufwand ergibt sich für den Laien daher die Frage warum die teurere Wurmkiste bzw. Wurmkompostierung generell den Alternativen vorgezogen werden soll. Für mich als Laie ist kein Argument erkennbar, was auf einen Nischenmarkt schließen lässt. Dies ist grundsätzlich kein Problem, jedoch habe ich den Eindruck, dass sich der Gründer und Investor über diese Marktsituation nicht im Klaren sind, was definitiv ein Problem ist.

Fehleinschätzung der Marktsituation und Nische in Nische

Durch das spezielle Thema fallen schon einige Kunden (jene die gar nicht kompostieren, jene die eine herkömmliche Tonne verwenden) weg und die Wurmkiste operiert daher in einem Nischenmarkt (umweltbewusste Käufer mit einem zu gewissen Grad grünen Daumen etc.). Der Pitch, die Fragen des Investors (Hillinger fragte nach möglicher Geruchs- und Ungezieferbelästigung. Lediglich mit dem Thema unvertraute Käufer würden sich diese Frage stellen) und die Einstellung des Gründers (dieser bezifferte das Marktpotenzial indirekt auf 172.000 Tonnen Biomüll jährlich in Wien) deuten aber auf eine weitläufige Verbreitung als Ziel hin. Die Wurmkiste kann sich natürlich um Aufklärung über die richtige Müllentsorgung kümmern um den Markt zu erweitern, was jedoch auf Grund unter anderem der Notwendigkeit einer fundamentalen Verhaltensänderung und kaum vorhandener Incentives, ein schweres Unterfangen ist, bei welchem auch größere Institutionen wie der Staat Schwierigkeiten haben. Zusätzlich müsste die Wurmkiste über die Haushaltsfähigkeit des Wurmhockers aufklären. Obwohl der Gründer den Wurmhocker als nach außen Geruchs- und Ungezieferfestes Produkt ausweist, werden potentielle Kunden diesbezüglich Skepsis an den Tag legen.

Wurmkiste könnte in der Nische in der es eigentlich ist durchaus erfolgreich sein, jedoch müssen sich das Unternehmen und der Investor (und alle anderen Beteiligten) über die Marktsituation im Klaren sein. Meiner Einschätzung nach sind sie es aber nicht. Nichtsdestotrotz ist auch der Erfolg in dieser Nische auf Grund des über der Konkurrenz liegendem Preis (siehe Beispiel mit Wurmwelten oben), fraglich.

mooci — Marktplatz für ästhetische Medizin

Mooci ist eine Onlineplattform für ästhetische Medizin auf der Ärzte und Patienten vernetzt werden. Das Startup wurde von Janis Jung (Betriebswirt) und Benjamin Gehl (Plastischer Chirurg) gegründet und hat noch vier weitere Mitarbeiter. Die Kombination aus BWL und fachlicher Expertise halte ich für sehr gut. Während mooci für Patienten kostenlos ist, wird Ärzten eine monatliche Gebühr berechnet. Hierfür gibt es zwei Modelle; die Basisvariante kostet 49 Euro, für 149 Euro bekommen Ärzte das Premiummodell.

Folgende drei Fragen haben sich für mich während des Pitchs ergeben:

  • Frage der Nutzungsbereitschaft: Mit Blick auf den analogen Gesundheitsmarkt ergibt sich für mich die Frage ob mooci auf (noch) Nutzungsresistente Patienten und Ärzte stößt.
  • Entscheidungsprozess der Kunden: Interessant wäre zu wissen wie der Entscheidungsprozess der Kunden aussieht bzw. ob und wie er sich von “herkömmlichen” Onlineplattformen wie z. B. Checkyeti unterscheidet.
  • Mangelende Ärztenachfrage auf Grund hoher Auslastung: Benötigen Ärzte Unterstützung bei der Kundenakquise oder haben sie bereits einen Nachfrageüberschuss?

Vorteile durch “mittelstarke” Konkurrenz und hoher Eintrittsbarrieren

Auch wenn es noch keine hundertprozentig vergleichbare Konkurrenz gibt, besteht Gefahr durch die bereits vorhandene vertikale Konkurrenz (Schönheitskliniken), online Beratungsplattformen (wie z. B. medical-one) und Ähnliches.

Aus technischer Sicht ist der Einstieg in dieses Feld leicht (es ist “lediglich” eine Onlineplattform), die Akquise von Ärzten hingegen ist deutlich schwieriger. Die durch mooci bereits akquirierten Ärzte sind daher ein Pluspunkt. (Wäre interessant wenn die Juroren nach den Akquisekosten gefragt hätten.) Abseits davon besitzt mooci aber einen eher schwachen USP.

moocis USP nicht ausreichend

Die USPs von mooci, hohe Qualität, maximale Sicherheit und einfache Handhabung sind nicht ausreichend, weil sie einerseits herkömmlich sind und andererseits von Nutzern als Selbstverständlichkeit angesehen werden.

Die hohe Qualität möchte mooci übrigens durch ein eigens mooci-Siegel etablieren. Die Herausforderung wird sein (wie einer der Juroren anmerkte) dieses Siegel bei Ärzten und Patienten als Qualitätsmerkmal zu etablieren.

Pixelrunner — Roboter für Großflächendruck

Der Pixelrunner ist ein Roboter des gleichnamigen Startups welcher Logos und Bilder auf großflächige Untergründe wie Rasen, Schnee oder Asphalt in bis zu Fußballfeldgröße druckt. Er war das erste Gerät seiner Art ist, jedoch gibt es mittlerweile einen Konkurrenten. Dieser Konkurrent zeigt auch, dass trotz der laufenden Patentanmeldung für den Pixelrunner, Patente nur einen bedingten Schutz liefern.

Ein vom Pixelrunner gedrucktes Bild
Ein vom Pixelrunner gedrucktes Bild (Quelle: Screenshot der Übertragung)

Spannend war die MVP-Strategie des Startups zur Validierung der Marktfähigkeit mittels einer Unkrautspritze als Prototyp und, je nachdem wie sich der Pixelrunner weiterentwickelt, könnte man es per Definition als disruptive Innovation sehen. In Rahmen der Weiterentwicklung wird es auch spannend zu sehen sein wie Pixelrunner sein Geschäftsmodell weiterentwickelt und ob sie gegebenenfalls in Richtung Marketingagentur gehen.

pluvis — Regenschirme mit LED-Licht

Trotz der vorteilhaften, problemorientierten Gründung von pluvis (der Gründer beobachtete eine einen Hund Gassi führend Person beim Versuch Regenschirm und Taschenlampe gleichzeitig handzuhaben), halte ich das Unternehmen aus vier Gründen für problematisch:

  1. Temporäre und bedingte Produktdifferenzierung
  2. Zu langsame Entwicklung
  3. Möglicherweise falsche Lösung
  4. Produktstrategie nicht mit Produktzielen vereinbar

Temporäre und bedingte Produktdifferenzierung

Die leichte Kopierbarkeit der pluvis Regenschirme ist anhand der vielfältigen Konkurrenzangebote (sie z. B. Alibaba) erkennbar. Weiters sind die zweiBeleuchtungs-LEDs der Regenschirme die der Gründer als Unterschied zur Konkurrenz sieht als Differenzierungsmerkmal nicht ausreichend um günstigeren Alternativen (siehe Alibaba) mit einer Beleuchtungs-LED bevorzugt zu werden. Grundsätzlich positiv sind daher die Produktpläne des Gründers (einbau einer Heizfolie und Entwicklung einer Geotracking-App), jedoch sind auch solche Angebote bereits vorhanden.

Zu langsame Entwicklung

Die Entwicklungsdauer von vier Jahren ist meiner Meinung zu lang. Diese Dauer ist möglicherweise auf die falsch getimte Detailorientiertheit des Gründers zurückführen (im Pitch hat dieser erzählt, dass er sich längere Zeit lediglich mit der Qualität des Griffes beschäftig hat). Detailorientiertheit halte ich in der Anfangsphase, wo Fokus auf Marktfit liegen soll, für eine Fehlpriorisierung.

Mit Blick auf Alternativprodukte könnte man zusätzlich argumentieren, dass der Gründer — trotz vier Jahre Entwicklung — das Problem nur bedingt gelöst hat.

Möglicherweise falsche Lösung

Besitzt man einen pluvis Regenschirm fehlt einerseits der Nutzen bei Tag und andererseits bleibt immer noch das “Händeproblem” (man hat nur eine freie Hand). Im Gegensatz dazu beseitigen Produkte wie Reverse Umbrella oder Umbrella Drone, welche gänzlich ohne Griffe auskommen, dieses Problem vollständig.

Produktstrategie nicht mit Produktzielen vereinbar

Der Gründer möchte “Den Schirm in den Alltag des Benutzers integrieren um ein Lifestyleprodukte daraus zu machen”. (sinngemäß). Obwohl ich es für übertrieben halte aus einem Regenschirm ein Lifestyleprodukt machen zu wollen (nicht zuletzt, weil es nur selten benutzt wird und Regenschirme mit etwas Negativem — Regen — assoziiert werden), denke ich, dass Kunden bereit sind Schirme zu Premiumpreisen zu erwerben (die Schirme von pluvis kosten in der “Elternversion” 49,90 €, die Kinderversion gibt es 39,90 €). Jedoch erwarten sie dafür möglichst omnipräsenten Mehrwert. Diese Art von Mehrwert ist primär durch eine Marke realisierbar; durch das Markenimage hat der Nutzer einen gewissen Mehrwert (Status) wann auch immer der Schirm (genutzt oder ungenutzt) sichtbar ist. Zum Ausbau einer Marke fehlen pluvis aber die richtigen Differenzierungsfeatures:

  • Zu verspieltes Auftreten: Die bunte Farbauswahl der Regenschirme (siehe Bild) empfinde ich als unpassend für ein Premiumprodukt. Dadurch wirken die Schirme, vor allem in Kombination mit dem blinkenden Licht (die LEDs haben auch einen Blinkmodus), zu verspielt.
    “Bunte” pluvis Regenschirme
    “Bunte” pluvis Regenschirme (Quelle: Screenshot der Übertragung)
  • Hochwertige Verpackung: Zusätzlich halte ich eine Verpackung bei einem Regenschirm für nur bedingt relevant bzw. nicht als etwas Werbenswertes (sowohl im Pitch als auch auf der Webseite wird die Verpackung als Differenzierungsmerkmal dargestellt). Die Verpackung soll Kunden überraschen und eine Art netter Nebeneffekt sein, anstatt als vollständige Produkteigenschaft beworben zu werden.
  • Licht-Regenschirm “socially unacceptable”: Ein leuchtender oder gar blinkender Regenschirm sieht für mich einfach komisch aus.
  • Nur temporäre Präsenz: Mit einem nur gelegentlich eingesetztem Produkt wird es schwer eine Marke aufzubauen, weil bei nur sporadischer Sichtbarkeit es aus dem Bewusstsein der Konsumenten tritt.
  • Kein Gesamtmarkenimage: Insbesondere die Regenschirme der großen Modelabels (Burberry, Hugo Boss etc.) mit den pluvis — zumindest preislich — konkurriert, profitieren vom jeweiligen Gesamtmarkenimage. Bspw. färbt das Image von Burberry auf deren Regenschirme ab.

Andmetics — Beautyprodukte

Das während der Show vorgestellte Produkt ist eine patentierte Schablone zum Strippen, Färben und Zeichen der “perfekten Augenbraue”. Positiv ist, dass die Produktlinie aber bereits über Augenbrauen hinausgeht. Obwohl die Gründerin die hohe Genauigkeit des Patents betonte, bin ich überzeugt, dass früher oder später trotzdem ähnliche Produkte auf den Markt kommen werden.

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